AP Sensing und Sumitomo Electric haben einen neuen Ansatz zur kontinuierlichen Überwachung von HVDC-Seekabeln über große Entfernungen entwickelt. Die Kombination aus verteilter akustischer Sensorik (Distributed Acoustic Sensing, DAS) und moderner optischer Übertragungstechnik ermöglicht es, Kabelsysteme mit einer Länge von mehr als 600 km zu überwachen.
Für die gemeinsame Entwicklung erhielten die Unternehmen auf der CIGRE Paris Session 2026 den Best Paper Award im Bereich „Future Cable Systems and Innovative Cable Applications“ (B1 PS1).
DAS-Überwachung über mehr als 300 km
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst auch der Bedarf, große Strommengen über weite Entfernungen zu transportieren. Viele Erzeugungsanlagen liegen weit entfernt von den Regionen, in denen die Energie benötigt wird. Lange, leistungsfähige HVDC-Seekabel spielen deshalb eine immer wichtigere Rolle bei der Energieübertragung.
Mit der Länge der Kabelverbindungen steigen jedoch auch die Anforderungen an ihre Überwachung. Schiffsanker, Fischereigerät und andere äußere Einwirkungen können Seekabel beschädigen und kostspielige Ausfälle verursachen. Kommt es zu einem Vorfall, muss die betroffene Stelle möglichst schnell und präzise gefunden werden. Bei Kabeltrassen von mehreren hundert Kilometern ist das eine besondere Herausforderung.
Hier setzt die gemeinsame Entwicklung von AP Sensing und Sumitomo Electric an. Sie verbindet die DAS-Technologie von AP Sensing mit der besonders verlustarmen Z-PLUS Fiber™ 130ULL von Sumitomo Electric und ferngespeisten erbiumdotierten Faserverstärkern (EDFA).
So können akustische Ereignisse über eine Entfernung von mehr als 300 km von einem Kabelende aus erfasst werden. Wird das Kabel von beiden Seiten überwacht, lässt sich eine Strecke von mehr als 600 km kontinuierlich und in Echtzeit abdecken.
Mehr als 30-fach höhere Ortungsgenauigkeit
Neben der Reichweite bietet der Ansatz einen weiteren entscheidenden Vorteil: Ereignisse entlang des Kabels können wesentlich genauer lokalisiert werden.
Bei konventionellen Verfahren zur Fehlerortung liegt die Genauigkeit bei etwa 1 % der Kabellänge. Bei einem 600 km langen Seekabel kann das eine Unsicherheit von rund 6 km bedeuten. Im Ernstfall müsste ein entsprechend großer Bereich des Meeresbodens abgesucht werden.
Mit dem neuen Ansatz sinkt die theoretische Ortungsunsicherheit bei einem 600 km langen, von beiden Enden überwachten Kabel auf weniger als 200 m.
Wie genau die Ortung in der Praxis funktioniert, zeigte ein Feldversuch vor der japanischen Insel Awaji. Dafür wurde in der Nähe des Streckenkilometers 262 ein Gewicht abgeworfen, um den Aufprall eines Schiffsankers zu simulieren. Das DAS-System von AP Sensing erkannte das Ereignis in Echtzeit und bestimmte dessen Position mit einer Abweichung von nur etwa 68 m.
Für Betreiber kann eine solche präzise Ortung einen erheblichen Unterschied machen. Statt einen mehrere Kilometer langen Abschnitt untersuchen zu müssen, lässt sich die Suche auf einen deutlich kleineren Bereich eingrenzen. Das kann Offshore-Inspektionen vereinfachen und dabei helfen, nach einem Vorfall schneller zu reagieren.
Darüber hinaus erfasst DAS akustische Signaturen, die durch Aktivitäten im Umfeld des Kabels entstehen. So erhalten Betreiber zusätzliche Informationen über mögliche äußere Einwirkungen auf ihre Seekabelinfrastruktur.
Auszeichnung auf der CIGRE Paris Session 2026
Die Ergebnisse stellten AP Sensing und Sumitomo Electric im Fachbeitrag „Early Detection of External Damage Incidents in Long-Distance Direct Current Submarine Cables“ (Paper ID 10824) vor.
Die Autoren Seiji Yamamoto, Soichiro Takeda und Takefumi Shimoguchi von Sumitomo Electric sowie Denis Bolotov und Ralf Albrecht von AP Sensing wurden dafür auf der CIGRE Paris Session 2026 mit dem Best Paper Award in der Session „Future Cable Systems and Innovative Cable Applications“ (B1 PS1) des Study Committee B1 „Insulated Cables“ ausgezeichnet.
Die Ergebnisse von Sumitomo Electric Industries, Ltd. entstanden im Rahmen eines Projekts im Auftrag der japanischen New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO).


